Beispielbuch · Cartoon
Gritis Weihnachtsgeschichte


In der Heiligen Nacht fielen dicke, weiche Schneeflocken vom Himmel. Sie tanzten und wirbelten im Mondlicht und hüllten den ganzen Wald in ein glitzerndes, weißes Kleid. Alles war still und friedlich, als würde die ganze Welt den Atem anhalten und auf den Zauber von Weihnachten warten.

Mitten in diesem Winterwunderland stand Griti. Ihre langen, goldenen Haare fingen die tanzenden Flocken auf. Ihr Herz war so voller Weihnachtsvorfreude, dass ihr gar nicht kalt wurde. Sie atmete die klare, kalte Luft ein und lachte leise, als eine Schneeflocke auf ihrer Nase landete.

Plötzlich hielt Griti inne. Durch das leise Rauschen des Schneefalls drang ein anderes Geräusch an ihr Ohr. Es war kein fröhlicher Weihnachtslaut, sondern ein leises, trauriges Wimmern. Neugierig lauschte sie und versuchte herauszufinden, woher das Geräusch kam.

Vorsichtig folgte Griti dem Geräusch zu einer großen, alten Tanne. Und dort, im Schutz der tief hängenden Zweige, saß ein kleines Rentier. Große, dicke Tränen kullerten aus seinen Augen und froren auf seinem weichen Fell zu winzigen Eiskristallen. Es sah sehr einsam aus.

Griti kniete sich langsam in den Schnee. „Hallo?“, flüsterte sie ganz sanft. „Was ist denn los, kleines Rentier? Warum weinst du an Heiligabend?“ Das Rentier zuckte zusammen und sah sie mit seinen großen, nassen Augen erschrocken an. Es hatte sie nicht kommen hören.

„Oh!“, schluchzte das Rentier. „Ich habe es verloren! Das Allerwichtigste!“ Es zeigte auf sein rotes Halsband. „Mein magisches Glöckchen! Ohne sein Klingen kann ich nicht fliegen. Der Weihnachtsmann kann mich nicht mitnehmen, um die Geschenke zu verteilen!“

Gritis Herz zog sich zusammen. Sie rutschte ein Stückchen näher und sah das leere, rote Halsband. „Keine Sorge“, sagte sie mit fester, beruhigender Stimme. „Wir geben nicht auf. Zusammen finden wir dein Glöckchen! Ganz bestimmt! Ich helfe dir.“

Sofort begannen sie mit der Suche unter der großen Tanne. Griti schob vorsichtig die schneebedeckten Zweige zur Seite und das Rentier scharrte mit seinen Hufen im Schnee. Sie fanden Tannenzapfen und ein moosiges Steinchen, aber vom Glöckchen fehlte jede Spur.

Das Rentier ließ traurig die Ohren hängen. „Überleg mal“, sagte Griti. „Wo warst du, bevor du hierherkamst?“ Das Rentier dachte nach und schnaubte kleine Wölkchen in die kalte Luft. „Ich… ich bin den kleinen Hügel dort drüben heruntergerutscht! Das hat Spaß gemacht!“

„Eine prima Spur!“, rief Griti. Gemeinsam liefen sie zu dem kleinen Hügel. Oben angefangen, suchten sie den ganzen Hang ab. Sie folgten den Spuren, die das Rentier beim Rutschen im Schnee hinterlassen hatte. Sie schauten unter jeden Farn und hinter jeden Busch.

Aber auch hier fanden sie nichts. Traurig setzten sie sich in den Schnee. Der Himmel war nun tiefdunkel und voller Sterne. „Jetzt ist es zu spät“, flüsterte das Rentier und neue Tränen stiegen ihm in die Augen. „Der Weihnachtsmann ist ohne mich geflogen.“

„Nein“, sagte Griti leise. „Weihnachten ist niemals vorbei, solange man einen Freund hat. Pssst. Sei ganz still.“ Sie legte einen Finger auf ihre Lippen. „Mach die Augen zu und lausche mit deinen großen Ohren. Manchmal muss man mit dem Herzen hinhören.“

Sie lauschten und lauschten. Und dann, ganz plötzlich, hörte Griti es. Ein winziges, helles *Kling*, so leise wie ein Flüstern im Wind. Ihre Augen flogen auf. Da! Wieder! *Kling-eling!* Das Geräusch kam von einem dichten Stechpalmenbusch mit leuchtend roten Beeren.

„Komm schnell!“, rief Griti. Sie rannten zu dem Busch. Griti schob die stacheligen Blätter ganz vorsichtig auseinander. Und da, im sanften Licht des Mondes, sahen sie es. Ein kleines, goldenes Glöckchen hatte sich an einem Zweig verfangen und schwang sanft im Wind.

„Mein Glöckchen!“, rief das Rentier überglücklich. Griti befestigte es wieder am Halsband. Kaum war es dran, erstrahlte der Himmel und der Schlitten des Weihnachtsmanns schwebte herab! Das kleine Rentier sprang in die Luft und flog hinauf zu seinem Platz im Gespann.
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